An dem Platz in der Nähe des Brunnens standen wir eine gute Woche. Zwischendurch ist mal Andre und mal Tanja mit dem Quad nach M’Hamid gefahren, um für uns alle einzukaufen. Sehr praktisch, so ein geländegängiges Beiboot!

Während der ganzen Zeit kam kein Mensch in die Nähe unseres Camps, nur als wir beschlossen, am nächsten Tag weiterzufahren, kam pünktlich ein Landrover an und baute nur 3 Dünen weiter ein Touristencamp auf. Die französischen Touristen kamen dann überraschender Weise zu Fuß angelaufen und stapften uns quasi durch den Vorgarten. Nun denn, wir wollten ja eh weiter. So sind wir dann am nächsten Morgen zeitig aufgebrochen und haben erst nochmal am Brunnen unsere Wasservorräte aufgefüllt.

Wir kommen mit unserem Wassertank und sämtlichen Flaschen und Kanistern jetzt etwa eine Woche hin. Für einen längeren Wüstenaufenthalt noch nicht wirklich ausreichend, aber zum Glück hat Team Eiwola ja deutlich größere Tanks und kann uns noch eine Weile mit versorgen. Vom Brunnen aus ging es weiter, dieses Mal wollten wir uns an der eigentlich recht einfachen Nordpiste um das Erg Chegaga orientieren. Aber eben auch nicht zu einfach, deshalb halten wir uns schon am Rand der Dünen. Sandfahren macht einfach deutlich mehr Spaß als Steinpiste! Auch wenn wir da hin und wieder eine kleine Hilfe benötigen. Aber mal wieder muss ich sagen, Oma Duck schlägt sich beachtlich! Auch längere flache Weichsandpassagen meistert sie wirklich gut alleine. So lange der Motor es schafft, die Drehzahl zu halten, schwimmt der Bus einfach durch den Sand. Nach doch fast 50km Strecke wollen wir links hoch in die Dünen. Team Eiwola stand hier neulich schon mal ein paar Tage und kannte die Stelle. Allerdings sind unten am Rand der Dünen noch viele Touristencamps. Wir fragen bei einem, ob wir daran vorbei in den Sand fahren dürfen und Andre nimmt uns vorsorglich schon an die Leine. Hier ist nur noch Sand, keine harten Stellen mehr zwischen den Dünen, also keine Chance, zwischendurch wieder Schwung aufzunehmen. Und durchaus einige Höhenmeter nach oben. Klar hätte ich es gerne versucht, aber wir wollten jetzt auch keinen unnötigen Quatsch neben dem Camp veranstalten. Und realistisch gesehen, hätte ich eh keine Chance gehabt.

Hier mal der etwas garstige 2.Teil aus Tanjas Sicht. Aber lasst euch versichert sein, ganz so oft hingen wir gar nicht am Seil! 😉

Wir bleiben in einer kleinen Senke stehen, Andre fährt auf eine Anhöhe in unserer Nähe. Da oben haben sie Internet und wir können in der Senke davon profitieren. Unser eigenes Internetguthaben ist schon seit ein paar Tagen alle und so müssen wir uns auch da durchschnorren, bis wir wieder in der Zivilisation sind. Die hohen, weitläufigen Dünen des Erg sind schon nochmal etwas ganz anderes als die relativ flachen Dünenfelder, in denen wir bisher so waren. Aber eben auch die Sandkiste für die großen Kinder, die kleine Oma Duck kann da alleine eben einfach nicht mitspielen. Umso dankbarer sind wir, dass wir einfach unkompliziert ans Seil gebunden und mit hoch genommen wurden! Allerdings stehen wir doch noch ziemlich am Rand und nach Norden sieht man noch viele Camps. Und die Camps sehen uns, bzw. den auf dem Hügel stehenden Eiwola. Und so kommt am nächsten Tag gegen Mittag auch ein Besitzer eines Camps hoch und bittet uns, doch umzuparken, da er gegen Abend Gäste erwartet und wir genau in der Blickrichtung zur Abendsonne stehen.

Okay, also wieder Aufbruch! Dann wollen wir gleich ein Stück die Piste weiterfahren und uns ein anderes Plätzchen suchen. Wir lassen nochmal an den Hinterreifen mehr Luft ab, bis die Zwillingsreifen bei etwa 0,8 bar gerade an der Grenze zum sich berühren sind. Es wird sandig, da kann ich jeden Quadratzentimeter Auflagefläche der Reifen brauchen! Die Vorderreifen lasse ich bei etwa 1,3 bar, damit die Stöße beim Hügelfahren nicht zu sehr auf die Felgen durchschlagen. Andre zieht uns (tatsächlich auch nicht so ganz einfach) bis über die letzte Kuppe und zumindest die Abfahrt runter Richtung Piste will ich dann alleine probieren. Es gelingt dann auch und so geht es schnell auf der relativ gut befahrenen Piste weiter Richtung Lac Iriki.

Nach etwa 7km finden wir eine Stelle, an der man wieder links ab in den Sand fahren kann. Hier ist, abgesehen von der Piste, sonst nichts. Wir scheuchen die Oma Duck um eine sandige 180° Kurve und über eine kleine Düne bis neben einen Baum. Wenn man von der in Sichtweite liegenden Piste absieht, auf der im Durchschnitt vielleicht alle 1-2 Stunden mal ein Auto fährt und den ab und an mal vorbeiziehenden Kamelen, ist das hier ein Traumplätzchen, wo wir wieder absolut unsere Ruhe haben. Und zu eilig haben wir das mit der Zivilisation ja nun auch nicht.

Eckstein wird inzwischen auch immer mutiger und geht ja gerne mal mit ihrer besten Freundin Ziva aus dem Team Eiwola auf Erkundungstour, wenn gerade keiner hinsieht. Am neuen Platz hatten die beiden dann wohl auch relativ gleich die Gelegenheit genutzt, um sich mal abzusetzen. Bisher kamen sie aber immer so nach 1-2 Stunden zurück, oder wurden mit dem Quad gesucht und folgten dann dem Quad nach Hause. Dieses Mal allerdings blieben jegliche Versuche, die beiden Ausreißer aufzustöbern, erfolglos. Als dann die Sonne unterging, machten wir uns schon ziemlich Sorgen, wo die beiden denn bleiben würden. Wussten sie noch, wo sie sind? Würden sie den Weg nach Hause alleine finden? Warum sind sie nicht zum Quad gekommen, als sie gesucht wurden? Immerhin sind wir in der Wüste, wo eine Wasserstelle zu finden schon äußerst unwahrscheinlich ist und wenn sie am Morgen nicht da sind, dann wird es in der Sonne bald kritisch. Zum Glück kamen sie dann doch noch, vielleicht zwei Stunden nach Sonnenuntergang, erschöpft und sehr durstig beim Camp wieder an. Das war mit ca. 6 Stunden ihr bisher längster Ausflug und ich hoffe sehr, ihr letzter. Wie auch immer wir ihnen das abgewöhnen sollen, aber irgendwie müssen wir das hinkriegen. Jetzt ist auf jeden Fall erstmal wieder komplette Leinenpflicht angesagt!

Seit dem haben haben wir es jetzt seit ein paar Tagen ruhig. Nichts Wichtiges zu tun, heute mal ein relativ anständiger Sandsturm, der es recht ungemütlich macht, sich draußen aufzuhalten. Ich war vorhin mal eine Stunde spazieren, aber so wirklich schön ist das nicht. Sand überall. Nicht, dass der sonst nicht überall wäre, aber bei Sandsturm nochmal mehr als sonst. In jeder Tasse, in jeder Klamotte und im Bett sowieso in Massen.

Morgen wollen wir auch weiter, langsam wird es auch mal wieder Zeit für einen umfassenden Einkauf, es geht inzwischen langsam alles zur Neige. Das Einzige, was es noch ausreichend gibt, ist Rucola, der hier nämlich wild und in Massen wächst. Und zwar in richtig schön scharf und würzig.

Weiter ging es auf die sandige Piste, bis wir auf den ausgetrockneten See Lac Iriki kamen, dort die ersten Cafés und Herbergen passierten und uns dann noch in den letzten hohen Dünen des Erg Chegaga verstecken wollten. Durch den zweitägigen Sandsturm vorher hatte sich aber soviel weicher Sand angesammelt, dass wir mit der Oma Duck keine Chance hatten, aus eigener Kraft vorwärts zu kommen. Selbst der Laster von Andre und Tanja hatte hier Probleme, bekam uns aber doch an eine schöne Stelle hochgeschleppt. Nur ein kleines Stückchen weiter parkte ein weiterer deutscher Allradlaster und so bekamen wir dann am Nachmittag und abends am Lagerfeuer auch noch Besuch. Am nächsten Morgen wollten wir zeitig wieder aufbrechen und Andre bekam uns dann auch relativ problemlos aus unserem Sandloch wieder rausgeschleppt.

Raus aus den Dünen und zuerst mal den Luftdruck beider Fahrzeuge wieder auf Pistendruck (bei Oma Duck waren das 3,5bar) erhöht. Allerdings wunderten wir uns, wie sandig doch der Lac Iriki war, selbst auf dem See noch überall Sanddünen, so dass wir hin und wieder schon etwas in Bedrängnis gerieten und irgendwann auch noch wieder etwas Luft ablassen mussten. Trotzdem steckten wir mehrfach fest und mussten uns rausziehen lassen. Schwer, bei solcher Strecke den richtigen Luftdruck zu wählen. Ist er zu hoch, bleibt man im Sand stecken, ist er zu niedrig, besteht die Gefahr, sich auf steinigen Pisten die Reifenflanken an spitzen Steinen aufzuschlitzen, oder sogar sich hinten einen scharfkantigen Stein zwischen die Zwillingsreifen zu klemmen, der im schlimmsten Fall gleich beide Reifen aufschneidet. Und ständig den Reifendruck zu ändern nervt ja auch und kostet Zeit. Also im Zweifelsfall lieber einmal zu viel ans Seil genommen werden, als die Reifen zu riskieren.

Hinter dem See sind wir dann nicht wie das letzte Mal die grauslich anstrengende Steinpiste nach Foum-Zguid gefahren, sondern auf eine Piste weiter südlich, die über die alte Rallyestrecke Paris-Dakar führt und dann zwischen Foum-Zguid und Tissint auf die Teerstraße trifft. Dort fuhren wir noch bis kurz vor Tissint, wo wir dann abseits der Straße ein schönes Plätzchen an einem Fluß fanden. So ein fließendes Gewässer ist schon eine sehr feine Sache, wenn man gerade 4 Wochen in der Wüste war!! Auch die Hunde sahen das so und wir alle genossen es, unsere Füße mal in kühles Wasser zu halten und den gröbsten Staub aus den Klamotten zu spülen. Am nächsten Morgen haben wir eine kleine Einkaufstour nach Tissint gemacht und sind dann an den Platz zurückgekommen, um noch einen weiteren Tag am Bach zu verbringen.

Von Tissint aus ging die Fahrt dann weiter nach Tata, wo wir am Freitag Vormittag noch einen Großeinkauf hinter uns brachten und auch beim Bus die Diesel- und Wassertanks füllten und dann weiter in Richtung Tafraoute fuhren. Über eine sehr gut ausgebaute Piste ging es durch die Berge, bis wir knapp neben der Piste ein wunderschönes Plätzchen mit kleinen Teichen fanden, wo wir uns für die Nacht einrichteten. 

Am nächsten Morgen ging es weiter, vorbei an einer Goldmine und dann durch die Schlucht von Ait Mansour, die teilweise recht eng war. Der Düdo passte da locker durch, aber das vorausfahrende Team Eiwola ist bestimmt an der ein oder anderen Stelle etwas ins Schwitzen gekommen. Aber am Ende sind wir alle unbeschadet (ein paar Kratzer zählen hier ja nicht) durchgekommen. Danach noch einmal hoch auf 1700 Meter und runter nach Tafraoute. Und hier scheint sich die gesamte Touristenschar zu sammeln. Alle Plätze voll mit Wohnmobilen. Aber es ist ja auch ein schöner Ort, der zum Verweilen einlädt. Auch wir wollen wohl erstmal ein paar Tage hierbleiben.


Und wer hier noch immer nicht genug hat, dem sei hier noch Tanjas Sicht auf die Tour empfohlen. Sehr schön geschrieben und mit definitiv den besseren Bildern:

Croslis Blog

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6 Kommentare

  1. Moin Philip,

    feiner Bericht! Du mutest Oma Duck ja noch ne Menge zu! Erstanlich, dass sie das alles so klaglos über sich ergehen lässt. Weiterhin viel Spaß!

    LG Ralf und Petra

  2. Hallo Philip, Lena und Eckstein, es ist so ein Vergnügen diesen Blog zu lesen und ein Genuss, sich die Bilder anzuschauen. Ich war ja mal in Israel und habe Wüste gesehen. Doch meine Erinnerungsbilder sind nicht mit euren Fotos zu vergleichen. Wunderschön. Habt weiterhin eine gute Zeit, ich freue mich für euch.

  3. Dankeschön für die Einblicke! Klingt toll! Ich wünsche euch weiterhin eine gute Zeit und Oma Duck Durchhaltevermögen:)
    Liebe Grüße auch von Henning

  4. Sorry,
    also mir haben zwei kurze Tagesausflüge in die Wüste völlig gereicht.
    Was soll so interessant sein dort mehrere Tage verbringen zu wollen?
    Mfg

  5. Schön, von Euch zu hören. Hatte mir schon etwas Sorgen gemacht, das es Euer Düdo nicht ganz geschafft hat, aber nach gefühlt 124578309x aus dem Sand Ziehen, geht jeder Handgriff, wie im Schlaf und es bleibt wieder mehr Zeit für den Block. Ich klebe weiter dran und wünsche ausreichend Druck auf den Reifen…

  6. Die Videos sind echt klasse. Ich hatte mir das komplett anders vorgestellt!
    Irgendwie bekomme ich jetzt Lust mir einen Allrad-Düdo oder Allrad-Bremer zuzulegen.

    Gruß
    Thorsten

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